Arak der Krieger

5000 BC – Europa

Arak der Krieger hob den Kopf aus dem Graben und lauschte, aber er hörte keine Geräusche aus der Siedlung außer dem gelegentlichen Blöken einer der gefangenen Ziegen. Er strengte seine Augen an, aber er sah nichts sich bewegen im schwachen Licht des grauenden Himmels. Die Siedler schliefen alle, und sie ahnten nichts von ihrem Verderbnis.

Der Wind brachte Asche auf seinen Schwingen aus dem Dorf an sie heran und fegte weiter zwischen den Stumpfen der geschlagenen Bäume um die Siedlung. Wie Zecken waren sie, die Siedler. Bissen sich in die Erde fest und saugten ihr das Blut aus. Zerstörten die Wälder, machten sich die Pflanzen untertan, brannten die Erde und machten die Tiere zu ihren Sklaven. In ihren großen Hütten versteckten sie sich und hatten die Geister der Ahnen vergessen. Feuer breitete sich aus in Araks Brust.

Und immer mehr und mehr von ihnen gab es, immer weiter breiteten sie sich aus wie das Siechtum und bauten ihre großen Häuser und sprachen in ihren fremden Zungen und fielen vor ihren seltsamen Götzen auf die Knie. Arak festigte den Griff um die Axt in seiner Hand, seine Arme bebten. Und sie schlachteten die Menschen des Waldes, wo sie konnten, ohne Ehre.

Wie viele Sommer war es jetzt her, dass sie seine Eltern verraten hatten, ihnen das Leben und die Felle zum Handeln geraubt hatten, und seine Schwester… Er war kaum mehr als ein Junge gewesen. Brennen sollten sie, die Unmenschen.

Er blickte zu Ketu und Oru und nickte ihnen zu. Mit Feuersteinen entzündeten sie die mit Harz getränkten Fackeln, die vor ihnen im Boden steckten. Die Steine hallten wider in der frühen Leere, aber das würde jetzt auch keinen Unterschied mehr machen. Einer der Hunde aus dem Dorf bellte, aber schon brannten die Fackeln. Ketu und Gira nahmen sich die Bögen von ihren Rücken. Jeder steckte einen der Pfeile in Brand, zogen sie auf ihre Bögen auf und warteten mit gespannten Sehnen auf sein Signal.

Arak nickte, mit Feuer in seinen Augen, und beinahe geräuschlos, wie fallende Sterne, glitten die Pfeile durch die Luft und blieben in zwei der Dächer stecken. Alles hielt inne, als wäre die Zeit stehengeblieben, und das Feuer fraß sich in das Holz und die Nacht war nicht mehr. Mehr Pfeile flogen, die Hunde bellten außer sich, erste Stimmen klangen aus den Häusern, erste Schreie.

Arak hob den Kopf und sah einen gewaltigen Adler durch die Lüfte segeln. Er lächelte düster; die Ahnen waren ihnen wohlgesonnen. Er hob die Axt über seinen Kopf, brüllte aus vollem Hals, erklomm den Graben und lief auf zum brennenden Dorf, seine Krieger dicht an seinen Fersen.

Als erstes kamen die Hunde, nicht einmal eine Handvoll, kläffend und knurrend. Einer von ihnen wurde von einem brennenden Pfeil durchbohrt – Ketu der Schütze verfehlte nie – und winselnd rannte das Tier wild umher. Und die anderen waren heran. Arak sah noch, wie Eru sich einem entgegenstelle und der Hund sich in seinem Arm festbiss und wich dann selbst im letzten Moment einer großen Bestie aus, die ihn mit den Krallen voran ansprang. Kaum war der Hund gelandet, wirbelte er herum und mit gefletschten Zähnen sprang er wieder los. Arak holte aus und schlug dem Tier die Axt mit voller Kraft in die Schulter und die Augen erloschen und es fiel tot zu Boden.

Mit wilden Augen und pochendem Herz blickte Arak sich um; die Hunde waren alle vernichtet, Eru hielt sich einen blutenden Arm. Ein Pfeifen pfiff über das Lodern des Feuers und ein Pfeil schlug ein in Neks Brust und Nek vom Großen Wasser fiel auf die Knie und fiel auf den Boden. Arak brüllte auf und rannte los zu dem Schützen, der vor einem der brennenden Häuser stand. Und die anderen brüllten und rannten los, den dunklen Schemen der Siedler entgegen.

Ein Mann griff Arak mit erhobener Axt an, aber er wich der langsamen Bewegung aus, tat einen Schritt hinter den Unmenschen und schlug ihm mit Feuer in den Adern seine eigene Axt in den Rücken. Schreie zerfetzten die Luft. Sollten sie alle sterben und ihre Seelen in der Leere irren!

Er rannte weiter und erreichte den Schützen und mit zerfetzter Kehle sank der Schwächling zu Boden; heißes Blut brannte in Araks Augen. Stumpf stieg ihm die Erinnerung auf, wie er das erste Mal einen Mann getötet hatte, vor ein paar Sommern. Er lachte laut auf und der Erinnerung und der Übelkeit entgegen; und Blut und Feuer und Asche vertrieben alle Gedanken.

Vor einem der brennenden Häuser kämpfte Eru mit einem Siedler, hinter dem eine Frau mit einem Kind am Boden kauerte, und Eru wich zurück mit seinem verletztem Arm und der Andere holte aus. Mit einem Schrei sprang Arak dazwischen und schlug ihm mit der Axt die Hand vom Arm und das fremde Blut sprühte Arak ins Gesicht, als er seine Waffe in die Brust des Feindes schlug.

Keuchend umklammerte er den vom Blut rutschigen Griff und blickte sich hastig um, und keuchte und hörte kaum Erus Danksagung. Er spähte nach Feinden, aber es gab keine mehr. Stöhnen und Schmerzensschreie füllten die Luft, und Feuer und brechende Balken und das Gewimmer der Frauen und Kinder.

Arak reckte seine blutige Axt in die Luft und brüllte und die anderen brüllten mit ihm. „Werft die Toten in das Götzenhaus“, rief er über die wilden Geräusche. Sollten ihre Seelen umherirren; sie hatten den Ahnen den Rücken gekehrt, es gab keinen Grund, sie der Erde zurückzugeben.

Er wendete sich der Frau und dem wimmernden Kind am Boden zu. Sie wichen vor ihm zurück. Er ging in die Knie und musterte das Gesicht der Frau im Flackern des Feuers und ein Schauer überfuhr ihn. Noch nie hatte er eine so schöne Frau gesehen, mit so ebenmäßigen Zügen, dunkle Haare und dunkle Augen, die ihn ängstlich ansahen. Er schüttelte und erhob sich. „Bring‘ sie zu den anderen Frauen und Kindern. Sie gehört mir“, wies er Eru den Fährtenleser an.

Arak packte den toten Körper des Siedlers, dem er die Hand abgeschlagen hatte und zerrte ihn zu dem brennenden Götzenhaus, das wie in den anderen Siedlungen, die er gesehen hatte, das größte im Dorf war und in dessen Mitte stand. Die Hitze zog an ihm und schwer atmend drückte er die Leiche in die Flammen.

Er folgte dem hektischen Blöken der Ziegen zu ihrem Verschlag, wo schon Kar und Orua standen. „…nicht gut, selbst welche zu halten? Für den Winter?“, hörte er Orua noch sprechen. Arak trat an ihn heran und schlug ihm mit dem Rücken seiner Hand fest ins Gesicht. „Sie rauben den Tieren ihre Würde; wir werden nicht wie die Feinde werden.“ Orua wischte sich Blut aus dem Mundwinkel und starrte ihn bösartig an. „Tötet die Ziegen, wir nehmen ihr Fleisch“, wies Arak sie an, wandte sich ab und schritt zum Körper von Nek. Er ging in die Knie und mit schwerem Herzen zog er den Pfeil aus der Brust. So wenige waren geblieben, nicht einmal zwei Handvoll Krieger.

So sanft es ging legte er sich den Leichnam über die Schulter und schritt zu den anderen Kriegern am Rande der Siedlung, wo sie eine Handvoll Frauen und eine Handvoll Kinder getrennt voneinander bewachten. Er legte Neks Körper sachte auf der Erde ab, und spürte Erus Hand auf seiner Schulter. „Krieger Arak, ich… ich glaube…schaue selbst“, und deutete auf eine der Frauen, die neben der dunkelhaarigen Schönheit stand. Was meinte Eru?, fragte er sich irritiert. Sie sah etwas anders aus als die anderen, aber… Sein Herz blieb stehen. Sie war eine Frau geworden, und trug Kleidung wie die Siedler, aber die Augen; war es wirklich möglich? Er taumelte fast ihr entgegen, die ihn ebenso ungläubig anblickte. „Rava?“, flüsterte er. „Rava!“ Und sie fiel ihm in die Arme und wisperte seinen Namen. Eine Ziege schrie schrill, bevor sie verendete.

Arak trat einen Schritt zurück und musterte seine Schwester fassungslos. Dass er sie nach all der Zeit wiederfinden sollte, er hatte nicht mehr daran geglaubt. Er wischte sich mit blutigen Händen das Blut aus dem Gesicht und blickte nach oben. Der Himmel blaute, bald würde die Sonne kommen; sie sollten nicht mehr lange verweilen.

„Was ist mit den Gören? Auch ins Feuer?“, fragte Orua und nickte zu den wimmernden Kindern. Rava erhob ihre Stimme: „Der Junge dort, mit den hellen Haaren, ist mein Sohn Telamon. Sein Vater brennt dort hinten.“ Ihre Stimme war kalt und herausfordernd. Arak fuhr sich durch den Bart. Natürlich waren es Siedlerkinder, aber sollte er wirklich das Kind seiner Schwester töten? Die hellen Schreie vom frühen Sommer hallten in seinem Schädel; die jungen Gesichter von Panik verformt. Es musste nicht wieder sein. Und der Junge der Dunkelhaarigen war auch darunter. Ihre Augen baten ihn wortlos.

„Wir nehmen die Kinder mit.“ Orua schnalzte abfällig mit der Zunge und auch die anderen blickten ihn verwundert an. „Wir sind wenige, zu wenige schon, und es sind Kinder noch. Jung genug, um sie zu unseren zu machen.“ Er hatte gesprochen.

Sie nahmen einige der gebrannten Gefäße aus den Hütten, die noch nicht loderten – sie waren das einzige der Siedler, das Arak erlaubte – und zündeten dann auch diese an. Die anderen Krieger nahmen die toten Ziegen, Arak die Leiche Neks, und mit dem Tag vor ihnen und den brennenden Ruinen hinter ihnen machten sie sich auf in Richtung ihres Lagers. Eine erfolgreiche Jagd. Und seine Schwester! Das Blut in seinem Bart fing an zu trocknen.

Arak stand still vor dem Bach und folgte seinen Wassern mit den Augen in das Tal in die Weite im Dunst des Abends. Wie den ganzen Tag schon hingen Wolken vor dem Himmel und der Sonne, aber kein Regen wollte kommen und ihre Spuren verwischen. Die Rauchwolke in der Ferne war nicht mehr zu sehen. Ob andere Siedler ihnen wirklich folgen würden? Mit den Frauen und den Kindern, den Ziegen und Neks Körper waren sie nicht besonders schnell vorangekommen; es war immer noch ein halber Tag zurück zu ihrem Dorf. Arak begann die Kleider abzulegen.

Stimmen aus dem Lager drangen an ihn heran. Hatte er die richtige Entscheidung getroffen, die Kinder mitzunehmen? Er trat mit den Füßen in das kalte Wasser. Aber hätte er wirklich den Sohn von Rava den Flammen übergeben sollen? So lange hatte er nach ihr gesucht. Und den Sohn der Dunkelhaarigen mit ihren großen Augen? Er watete tiefer in den Bach; die Kälte ließ seine Beine erzittern. Auch wenn es die Kinder von Siedlern waren; waren es nicht doch Kinder trotzdem? Und ihre Zahlen schwanden und sie würden neue Krieger brauchen. Und er hörte die schrillen Schreie wieder; wie die Flammen gelodert hatten und die Schreie verklungen waren und die Seelen der Kinder in dem Rauch getanzt hatten.

Er tauchte unter und hieß die dunkle kalte Leere willkommen. Schwer atmend tauchte er auf und rieb sich das Gesicht, wieder und wieder. Das Wasser um ihn herum war rot gefärbt vom Blut der Siedler.

Er blickte in den grauen Himmel. Bald war es Zeit, zum Großen Wasser zu ziehen, bevor der Winter kam. Mit Schaudern dachte er zurück an den letzten Winter, und an den Winter davor. So viele hatten sie verloren; er sah Selas Gesicht noch vor sich, kalt und ausgemagert. Seit die große Siedlung sich an ihren angestammten Fischplätzen breit gemacht hatte, wurde jeder Winter härter. Er ballte die Fäuste. Sollten sie verflucht sein!

Und dann noch die Fischmenschen, die jedes Jahr übermütiger wurden, seit sie mit den Unmenschen Frieden geschlossen hatten. Wie sie umherstolzierten mit den Kleidern und den polierten Äxten der Siedler; als gehörte die ganze Küste ihnen. Sie hatten den Ahnen noch nicht abgeschworen wie andere, von denen er gehört hatte; aber Jahr für Jahr wurden sie den Feinden ähnlicher. Arak spuckte verächtlich auf das Wasser. Und sollten er und die seinen auch zu Grunde gehen, sie würden keine Unmenschen werden, sie würden ihre Ahnen nicht vergessen; bis zum letzten Mann würden sie kämpfen und kämpfend sterben.

Er wusch sich gründlich, Zorn in seinen Händen, und trat mit eisigem Körper aus dem Wasser. Er schreckte zusammen, als er die Dunkelhaarige nur wenige Schritt von ihm entfernt stehen sah; wie hatte er sie nicht kommen gehört? Ihr Junge hielt sich an ihrem Bein fest. Sie schien verlegen vor seiner Nacktheit und blickte an ihm vorbei. Arak blieb nackt vor seinen Kleidern stehen und schaute sie an. „Essen…bereit“, sprach sie stockend und sprach die Wörter so seltsam aus, dass er sie kaum verstand. „Nerali schickt. Äh, Rava?“ Nerali? Hatten die Siedler Rava so genannt? Arak nickte, den Zorn noch immer in der Kehle.

Sie wendete sich ab, mit verschüchterten Augen. „Wie ist dein Name?“, fragte er und versuchte, nicht hart zu klingen. Sie drehte sich wieder um und blickte ihn verständnislos an. „Name?“, wiederholte er und deutete auf sie. Ihr Gesicht hellte sich auf. „Alira“, und legte sich die Hand auf die Brust. „Du Arak.“

Arak löffelte den Rest des Ziegen-Wurzel-Eintopfs aus und grunzte zufrieden. Er blickte kurz zu Alira, die mit ihrem Kind und den anderen Frauen auf der anderen Seite des Feuers saß und erhob sich. Er spürte Oruas finsteren Blick im Rücken – würde er Arak herausfordern? Er wurde immer feindseliger. Sollte er es nur versuchen. Er zuckte mit den Schultern und trat aus dem Felsvorsprung, der das Feuer verbarg, und schaute zu Rava, die mit ihrem Sohn auf einem großen Stein am Rande des Hügels saß. Die Nacht war hereingebrochen.

Er lief langsam zu ihr und ließ sich auf einem Stein neben ihr nieder. Der Junge schlief neben ihr, der Kopf auf ihrem Schoß. Sie blickte ihn mit ihren wachen Augen an und lächelte. Noch nie hatte er so wache Augen gesehen, und so traurige. Wie war ihr Leben als Nerali wohl gewesen unter den Siedlern? Sie war kaum mehr als ein Kind gewesen damals. Er setzte an zu fragen, aber schloss den Mund wieder. Würde sie über ihr Leid sprechen wollen? Ihre hellen Augen durchbohrten seine und sie schüttelte leicht den Kopf, als hätte sie seine Gedanken gelesen.

„Seit wann kämpfst du gegen die Siedler?“, fragte sie. Araks Miene verfinsterte sich. Er blickte hinunter ins Tal und antwortete: „Seit Onkel Voru der Starke vor ein paar Sommern bei einem Kampf mit den Siedlern sein Leben gab, bin ich Anführer.“ Sie nickte und folgte seinem Blick in die Weite. „Du warst so ein sanfter Junge gewesen, damals“, sprach sie leise und wandte sich ihm wieder mit unausgesprochenen Worten auf den Lippen zu. Sein Blut wallte auf und hitzig erwiderte er: „Jedes Jahr breiten sich die Unmenschen weiter aus, verflucht seien sie! Wie Zecken rauben sie, und stehlen und branden und näher kommen sie, näher und näher, und rauben die Tiere und die besten Orte. Mögen die Geister ihre Seelen nehmen! Keine Menschen sind das!“

Nachdenklich musterte Rava ihn und sprach nichts erst. Ihr Blick war ihm unangenehm. Als würde sie in sein Herz schauen können. Sie legte ihm zärtlich ihre Hand auf die Schulter: „Es ist eine harte Welt.“ Sie stockte kurz. „Aber raubt und tötet ihr sie nicht auch?“ Mit feurigen Augen erhob er sich fast. „Das ist unser Land! Das Land unserer Ahnen und der Geister; was haben die Unmenschen hier zu suchen; welches Recht haben sie! Es gehört uns!“ „Wem gehört irgendetwas in dieser Welt? Wandern wir hier nicht nur, für einen Augenblick, bevor wie zurückkehren, woher wir kamen?“ Was sollte das heißen? Ihre Seelen wurden neu geboren und bevölkerten nach dem Tod die Welt als Tiere und Pflanzen, wenn die Seele der Erde zurückgegeben wurde. Jedes Kind wusste das.

„Ihr nennt sie Unmenschen, sie euch Tiere“, fuhr sie fort. „Und ihr nehmt es als Recht hin, euch gegenseitig zu hassen und zu töten.“ „Wie kannst du sie in Schutz nehmen!“, fuhr er zornig auf. „Sie, die die Ahnen verachten und Götzen anbeten! Sie, die unsere Eltern getötet haben und dich geraubt haben!“ „Ich erinnere mich“, antwortete sie still. „Und jetzt sind auch ihre Körper verbrannt. Ihre Götter haben sie ebenso wenig gerettet wie die Ahnen unsere Eltern. Es ist alles so ein Unsinn.“ Was sprach sie für verrückte Sachen! Was war mit ihr geschehen?

„Die Ahnen sind Unsinn? Die Geister auch? Mit wem ist es denn dann, mit wem Dru der Schamane und alle anderen Schamanen sprechen? Was du sprichst, ist Unsinn!“ Sie legte ihm ihre Hand auf die Wange und mit der großen Trauer in ihren Augen blickte sie ihm in die Seele und sein Zorn verebbte. „Alles Mögliche scheint real, wenn man fest genug daran glaubt. Doch es führt nur zu mehr Tod, mehr Leid, mehr toten Eltern und toten Kindern. Es ist alles so ein Unsinn. Wir sind alle gleich, wollen das Gleiche, begehren das Gleiche und erfinden unendliche Ausreden. Es ist alles so ein Unsinn.“ Sie küsste ihn zärtlich auf die Stirn, nahm ihr Kind auf den Arm und kehrte zum Feuer zurück.

Araks Kopf drehte sich, die Gedanken überschlugen sich; was sprach sie alles, was… Regungslos saß er da, mit verwirrtem Herz und rasendem Kopf, bis alle Geräusche aus dem Lager verstummt waren und der Mond hoch am Himmel zwischen den Wolken hindurchblitzte.

Ächzend legte sich Arak Neks Körper auf die andere Schulter, die von dem Gewicht aber schon ebenso schmerzte. Und wieder blickte er nach hinten. Immer noch war der Himmel verhangen, aber immer noch wollten sie keinen Regen schicken. Für jeden Verfolger wäre es ein Leichtes, ihnen zu folgen. Hatten sie die Ahnen verärgert? Weil er die Kinder geschont hatte? Ravas Worte vom Abend hallten immer noch in seinem Kopf.

Seine Schwester lief wie gestern zusammen mit Alira, ihre beiden Jungen mal neben ihnen, mal auf ihren Armen. Sie waren beinahe gleich alt. Ab und zu blickten sie zu hinüber zu Arak und jedes Mal fühlte er sich unangenehm berührt davon. Er schüttelte den Kopf; es gab Wichtigeres als Paarung gerade. Und doch konnte er seine Blicke nicht zähmen. Bei den Ahnen, war Alira schön.

Bald erreichten sie die vertrauten Hügel und bald danach bellten die Hunde und kamen aus dem Wald geprescht und begrüßten sie so freudig, wie nur Hunde es konnten. Arak streichelte Roks starken Nacken, er schmiegte sich an sein Bein.

Sie traten aus den Bäumen und Dru der Schamane trat aus den Hütten ihnen entgegen mit emporgehobenen Armen und verkündete: „Siegreich kehrt ihr zurück, Krieger! Die Geister haben es mir schon verkündet!“ Die dunklen Augen in dem mit Asche bemalten Gesicht zogen sich zusammen, als er die Kinder sah. Er trat an Arak heran und musterte Neks Körper. „Eine schwere Bürde tragt ihr, Anführer Arak.“ „Ich bringe unseren Bruder, um ihn der Erde zurückzugeben.“ „So lass uns seine Seele geleiten.“

Oruas Sohn und Girans Tochter kamen aus dem Dorf gelaufen und begrüßten ihre Väter und auch der Rest kam und grüßte und es wurde gesprochen und erzählt. Arak legte Neks Körper zwischen den Hütten ab und streckte die müden Muskeln. Er ließ den Blick schweifen; so wenige waren sie. Zwei Kinder, nicht einmal eine Handvoll Frauen, nur drei der Alten waren noch unter ihnen. Aber jetzt waren mehr Kinder da, und beinahe jeder Mann hatte eine Frau. Orua und Giran hatten Nachwuchs, sie würden sich gedulden müssen.

„Du hast Siedlerkinder zu uns gebracht?“, stach ihm Onas Stimme ins Ohr. Die Schwester seiner Mutter hielt nicht viel von Respekt. Er neigte ihr leicht den Kopf zu und antwortete: „Ja.“ Ihre harten Augen stachen in seine. Sie zuckte mit den Schultern und nickte. „Ich verstehe. Wenn wir sie durch den Winter bringen können.“ Und ihre Augen weiteten sich vor Schreck, wie er es noch nie gesehen hatte. Er musste grinsen. Sie hatte Rava entdeckt. Sie griff ihn am Hemd und forderte mit zusammengezogenen Augenbrauen: „Ist das, ist… es kann nicht sein, kann es!“ Sachte nahm Arak ihre Hand in seine und nickte. „Ich habe Rava gefunden.“

Nachdem die Aufregung sich gelegt hatte, und Hütten zugewiesen, die ersten Geschichten erzählt und die Männer versorgt waren, rief Arak alle zusammen. Er wies sie an, vor dem Abend alles zu packen, was nötig war für den Winter; dass er es nicht wusste, aber dass sie bald schon aufbrechen würden.

Die dunklen Wolken behielten ihren Regen immer noch für sich. Arak blickte zurück in Richtung der Siedlung. Würden andere kommen, die Toten zu rächen? Er trat zu Ketu: „Versorge dich und gehe Ausschau halten, bei den großen Nadeln. Gib‘ Acht, dass kein Feind dich sieht, wenn ein Feind kommt.“ Ketu nickte nur und wandte sich ab. Arak nickte für sich; obwohl sie gerade erst von der Befreiung zurückgekommen waren, sprach Ketu kein Widerwort.

Er trat zu Dru neben der Hütte, in der Nek gelebt hatte, und half ihm dabei, das Grab von Neks Vorfahren freizulegen für sein Seelengeleit.

Arak musterte Neks Körper, wie er reglos neben dem lodernden Feuer lag; von den Frauen mit Perlen geschmückt, sein kaltes Gesicht bemalt mit der Roten Erde. Alles Mögliche scheint real, wenn man fest genug daran glaubt, hallten Ravas Worte in seinen Ohren. Dru, das Hirschgeweih auf seinem Haupt in die Nacht über ihnen ragend, sprang über das Feuer, in tiefster Stimme singend und schlug auf die Trommel, die sich mit dem Krachen des Feuers mischte. Rava, die neuen Frauen und Kinder standen am Rande der Siedlung und beobachteten alles still. Arak stimmte in den wortlosen Gesang der anderen ein.

Dru trommelte lauter und lauter und tanzte wild im Kreis um Nek herum, um das Feuer und darüber. Sein ganzer Körper schüttelte sich und er schrie und rief, und tanzte weiter. Hoch hüpfte seine Stimme und er deutete auf das geöffnete Grab und deutete auf Nek. Ona und Tira traten an das Grab, knieten sich daneben und hoben die beiden Steinplatten aus der Erde. Drus wildes Trommeln stoppte abrupt, Arak und die anderen ließen den Gesang in die Nacht ziehen.

Zum Knistern des Feuers schob Dru die Knochen im Grab zur Seite, hob Nek an, als wäre er leicht wie ein Kind, und legte ihn zu seinen Vorfahren zur Rast. Dru erhob sich und schlug einmal laut auf die Trommel. „Nek vom Großen Wasser hat uns verlassen!“ Ona und Sela fingen an, Neks Besitztümer einzeln ihm herabzugeben. „Unsere Welt hat er verlassen und die Welt der Ahnen soll ihn willkommen heißen!“ Die Frauen ließen Rote Erde auf den Körper rieseln und setzten die Steine wieder über die Toten und füllten die Erde wieder darüber. „Möge er als Adler durch die Lüfte steigen!“ Drus Stimme schallte in der Weite und überschlug sich beinahe. „Möge seine Seele zurückkehren in den Wald! Mögest du uns Lebenden schützen, bis auch wir rückkehren zu den Ahnen!“ Er schlug einzelne Schläge auf der Trommel, laut und mächtig.

Arak trat an das Grab heran, nahm den mächtigen Wildscheinkieferknochen aus der Tasche und legte ihn andächtig, sachte auf die frische Erde. Dru stieß einen unmenschlichen kehligen Schrei aus und trommelte und der Gesang loderte wieder auf. Arak kniete einen Moment still, seine Gedanken verwirrt, und erhob sich und folgte den anderen in Tanz und Gesang. Er spürte Ravas nachdenkliche Augen in seinem Rücken.

„Arak!“ Flattern von Flügeln, harte spitze Schnäbel; brennende Sonne und tiefe Dunkelheit. „Arak!“, tönte sein Name wieder aus der Schwärze. „Arak!“ Arak wachte schreckhaft hoch; wo war er, was war passiert? Adler kreisten in seinem Kopf. „Krieger Arak, sie kommen.“ Er erkannte Ketus Stimme. Langsam glitt die Traumwelt von ihm ab. Sie wurden also verfolgt, wie er es geahnt hatte. Er fuhr sich durch das Gesicht und räusperte sich. „Wie viele? Und wann sind sie da?“ „Beinahe zwei Handvoll. Kurz nach der Sonne werden sie hier sein.“ Arak nickte, schob die Decke beiseite, band sich den Gürtel um, steckte die Axt hinein, zog sich den Mantel über und trat aus der Hütte, immer noch etwas benommen.

Er hob den Blick in den noch dunklen Himmel. Keine Sterne waren zu sehen. Es blieb noch Zeit. Der Wind war kühl und versprach Regen. Er wandte sich Ketus Schemen zu. „Wecke alle, so leise es geht. Sie müssen aufbrechen, so bald wie möglich.“

„Geht zu den Becken; wir werden euch einholen, sobald die Gefahr vorüber ist“, sprach Arak leise zu den schlaftrunkenen Gesichtern. Ein paar der Kinder wimmerten. „Und seid still; und versucht, so wenig Spuren zu hinterlassen, wie ihr könnt.“ Es wurde genickt, viele Augen beunruhigt. Oruas dunkler Blick traf seinen. Das würde Orua gut passen, wenn Arak nicht zurückkehren sollte. Er grinste ihm entgegen.

Rava trat mit Alira an ihn heran. „Gebe Acht!“, flüsterte sie ihm eindringlich zu. Es schien, als wollte sie erst noch etwas anderes sagen, aber sie schloss den Mund wieder. Arak nickte. Alira legte ihm ihre zarte Hand auf die Schulter und blickte ihm mit ihren dunklen Augen tief in seine. Und sie folgten den anderen, die leise aus dem Dorf wandelten, die Hunde an ihrer Seite.

Ketu stieß ihn an der Schulter und nickte in Richtung Wald auf der anderen Seite des Dorfes. Arak hörte das Knacken. Er nickte, erhob sich vom Fuße des Baums und legte sich einen Pfeil auf den gespannten Bogen. Sie mussten sie nur aufhalten und ablenken, bis der Regen die Spuren der anderen verwischt hatte. Die ersten Tropfen fielen schon.

Die Sonne war hinter den Wolken verborgen, aber das Schwarz der Nacht war dem Grau des Morgens gewichen. Angestrengt blickte Arak an den Häusern vorbei in den Wald. Er hörte einzelne Stimmen. Ketu spannte den Bogen, Arak tat es ihm gleich und mit flachem Arten warteten sie gespannt wie ihre Bögen. Die Stimmen wurden lauter – sie hatten wohl bemerkt, dass das Dorf verlassen war – und die ersten Gestalten traten zwischen die Hütten. Arak nahm einen tiefen Atemzug und ließ den Pfeil von der Sehne schnellen in die Brust eines Mannes. Er schrie kurz, fiel auf die Knie, gurgelte und sank reglos auf die Erde.

Arak rutschte auf dem nassen Hang und nur Ketus ausgestreckte Hand bewahrte ihn davor, in die Arme ihrer Verfolger zu rutschen. Wie waren diese verfluchten Siedler so schnell! Außer Atem eilten sie den Hang herauf und hasteten zwischen den Bäumen weiter. Der Regen peitschte ihnen ins Gesicht, hinter ihnen krachten die Siedler durch das Unterholz. Sie hatte zwei von ihnen getötet, aber es waren zu viele, um gegen sie zu kämpfen. Wie gerne er seine Axt in die Körper der Unmenschen schlagen würde. Aber er rannte weiter wie ein gejagter Hase.

Sie waren weit genug entfernt von den Spuren der Anderen, aber sie konnten die Verfolger einfach nicht abschütteln. Ein Geräusch vor ihnen ließ ihn zusammenzucken und zwei Männer mit Äxten in der Hand preschten aus dem Laub. Bei den Ahnen, wie waren sie vor sie gekommen! Arak wich einen Schritt zurück, spürte, wie sein Fuß wegrutschte und er verlor das Gleichgewicht und fiel nach hinten und rollte und rutschte den schlammigen Abhang hinunter. Hart schlug er mit dem Rücken gegen einen Baum; und rutschte atemlos weiter. Sein Kopf schlug gegen einen Ast und beinahe bewusstlos fiel er weiter. Durch die nasse Dunkelheit hörte er Ketus lauten Schmerzensschrei. Und der Fall war vorbei.

Mit dem Gesicht im Schlamm lag er reglos da und ächzte. Er sah schon, wie die Siedler ihn mit ihren polierten Äxten in Stücke hauten. Stöhnend vor Schmerzen stemmte er die Hände in die nasse Erde und drückte und drückte. Er würde nicht hier sterben, durch die Hände der Unmenschen; nicht als Gejagter und Gehetzter. Er drückte, bis er schwankend auf den Füßen stand. Er hörte nichts, seine Sicht war verschwommen. Er bewegte einen Fuß, tat einen langsamen Schritt, und noch einen, ein Fuß vor den anderen und besinnungslos lief er durch den Sturm, hetzte von Baum zu Baum. Immer wieder fiel er auf die Knie, aber immer wieder raffte er sich auf und hetzte weiter. Es gab nur noch den Regen und die Äste, die ihm ins Gesicht peitschten und die Dornen, die an seinen Beinen rissen.

Schwer atmend lehnte sich Arak an einen Baum; lehnte sein Gesicht an die raue Rinde. Bevor die Dunkelheit ihn übermannte, riss er sich los und taumelte weiter. Er hörte keine Verfolger mehr hinter sich, aber konnte er sicher sein? Er rieb sich die Augen, aber sein Blick blieb trüb. Sein Hinterkopf pochte schmerzhaft. Und weiter und weiter taumelte er. Wurde es Nacht?

Diese verdammten verfluchten Siedler! Er dachte wieder an Ketu, wie er irgendwo im Wald lag, sein Körper gebrochen, seine Seele ohne Geleit. Und doch, leise wieder, fragte ihn eine Stimme in seinem Kopf, ob er an Stelle der Siedler nicht das Gleiche getan hätte? Rache genommen hätte? Wir sind alle gleich, wollen das Gleiche, begehren das Gleiche… Und sein Zorn verzog sich wie dunkle Wolken nach einem Sturm.

Lief er überhaupt in die richtige Richtung? Es musste richtig sein; er stolperte und hörte auf zu denken und sah nur die Stöcke, die Büsche, die Steine vor sich und setzte einen Fuß vor den anderen vor den anderen. Was einen Durst er hatte; sein Magen brummte. Aber seine Tasche mit Proviant; wo war sie eigentlich?

Wieder blieb er schwankend stehen und hob den Kopf und sah Sterne. Wann hatte es aufgehört zu regnen? Und weiter.

Wo war sein Wasser? Warum war es Nacht? Hatten die Siedler seinen Proviant gestohlen?

Er stolperte.

Was für ein Licht flackerte dort? Ging die Sonne auf? Zwischen den Bäumen? Er rieb sich den Kopf, schwankte ein paar Schritte und seine Beine gaben nach und er krachte auf die Knie. Was waren das für Geräusche; Stimmen? Oder Wölfe; sprachen die Bären zu ihm? Er spürte nasse Erde in seinem Gesicht und versuchte, sich aufzurichten, aber keine Kraft war in seinen Armen. Er hörte irgendjemanden oder irgendetwas seinen Namen sagen, bevor Dunkelheit ihn umfing.

Araks Augen flatterten und er sah Baumwipfel über sich im Wind schwanken und dahinter den zartblauen Himmel. Es musste früh am Morgen sein. Wo war er; was war passiert? Er setzte sich ächzend auf; sein ganzer Körper schmerzte und war schwach. Er griff sich an den schmerzenden Hinterkopf und fühlte eine harte Kruste aus getrocknetem Blut und nach und nach kamen die Erinnerungen zurück. An die Nacht, an die Flucht, an die Siedler und an Ketu.

„Arak!“, rief neben ihm eine helle Stimme und Aliras schönes Gesicht erschien ihm. Und neben ihr kniete Rava und er blickte sich um; er war zurück bei den Seinen. Er hatte den Weg tatsächlich gefunden. Sein Herz hüpfte vor Freude.

Er lächelte den beiden Frauen entgegen und ihre ängstlichen Blicke wichen erleichtertem Lachen. Rava legte ihm ihre Hand an die Wange. „Wir wussten nicht, ob du aus der Dunkelheit zurückkommen würdest.“ Weitere Stimmen tönten aus dem Lager und es dauerte nicht lange, bis seine Stätte umringt war von Menschen. Rok kam heran und schleckte ihm durch das Gesicht. Alle sprachen durcheinander, bis Dru seine Stimme erhob und allen befiel, Arak Ruhe und Stille zu geben. Eru legte ihm noch seine Hand auf die Schulter und nickte ihm zu; Orua warf ihm einen nachdenklichen finsteren Blick zu und nur Dru und die beiden Frauen blieben zurück. Und Rok natürlich.

Er erzählte, was es zu erzählen gab, und sein Herz trübte sich bei der Erinnerung an Ketu. Auch Dru senkte den Kopf; Rava blickte mit ihren traurigen Augen in die Ferne. Er ballte die Fäuste; es war Zeit, seinen Krieg mit den Siedlern zu beenden. Er hatte genug von toten Freunden; und er hatte genug vom Töten. Der Zorn und der Hass, die ihm so lange in der Kehle gelegen hatte, waren verschwunden. Er blickte Alira in ihre dunklen Augen und lächelte.

Arak wachte zum ersten zarten Blau des Himmels. Er setzte sich schlaftrunken auf und ließ den Blick durch das Lager zu den Bäumen schweifen, die bunt in der Morgensonne leuchteten. Sein Körper war selbst nach einem ganzen Tag Rast immer noch schwach, und sein Kopf dröhnte noch immer, aber so leicht und liebevoll hatte er sich sehr sehr lange nicht mehr gefühlt. Er war froh, am Leben zu sein. Auch das war lange her.

Er stand auf, streckte sich und steckte die Axt in seinen Gürtel. Die Hälfte des Lagers schlief noch, aber Rava und Alira hatten ihn schon entdeckt und traten mit ihren Jungen an ihren Händen zu ihm. Er lächelte, und sie lächelten. „Es geht dir wieder besser?“ Arak nickte seiner Schwester zur Antwort und wendete sich Alira zu. „Möchtest du etwas sehen?“ Sie blickte ihn fragend an, aber Rava übersetzte in die seltsame Sprache und schüchtern nickte sie. Er grinste und nahm sie bei der Hand.

Sie stiegen die felsigen Hügel hinauf, das Geräusch von Wasser nie weit von ihnen entfernt. Es war kein langer Gang, aber immer wieder musste Arak außer Atem ein paar Momente stehen bleiben. Was ein wundervoller Tag es war! Alles um sie herum leuchtete.

Bald traten sie aus den Bäumen ins Offene und vor ihnen lag das Größte der Becken, das grüne Wasser funkelte in der Sonne; die riesigen gezackten Sommerbäume auf der anderen Seite standen klar gegen den hellen Himmel. Alira rief erstaunt in ihrer Sprache aus und blickte ihm mit funkelnden Augen ins Gesicht. Arak nickte in Richtung des Wassers und führte sie an der Hand an den Rand. Er entkleidete sich und sie entkleidete sich, schüchtern, nach kurzem Zögern. Wie unglaublich schön sie war.

An ihrer Seite sah er einen Bluterguss, rot und gelb und blau schon, sicher einen Mond alt. Er fasste vorsichtig an die Stelle und blickte sie fragend an. War das der Vater ihres Jungen gewesen, den Arak getötet hatte? Ihr Gesicht trübte sich kurz, dann lachte sie hell auf und zog ihn mit sich in das eisige Wasser. Arak erwiderte ihr Lachen und fröhlich planschten sie und tauchten unter in die klare Kälte.

Er fasste ihre Arme und zog sie an sich heran. Mit großen Augen kam sie ihm nahe und ihre zarten Lippen fanden seine und unter der Herbstsonne vereinigten sie sich.

Hand in Hand liefen Arak und Alira zurück; die Haare noch nass, die Körper zufrieden. Arak blickte Alira ins Gesicht und lachte glücklich.

Ein Schrei aus Richtung des Lagers riss seinen Kopf wieder nach vorne; er blieb stehen und lauschte. Leise hörte er Stimmengewirr; und Kinder weinen? Er warf Alira einen Blick zu, nahm seine Axt in die Hand und lief los.

Die Stimmen wurden immer lauter und es dauerte nicht lange, bis er die Lichtung erreicht hatte; Alira wenig hinter ihm. Er brauchte einen Moment, um die Menschenmasse zu überblicken. Alle waren um eine Stelle versammelt; um Orua, der sich über die am Boden liegende Rava kniete! Neben ihnen lag Eru auf dem Boden mit Blut im Gesicht; Dru und die Anderen sprachen wild durcheinander auf Orua ein; Ravas und Aliras Jungen standen weinend dahinter.

Arak spürte seine Brust wohlvertraut im Zorn brennen und in wenigen Schritten war er heran, zwischen den Anderen durch, packte Oruas Haare und riss ihn von Rava herunter und trat ihm ins Gesicht. „Was denkst du, was du da machst?“, fragte er leise, bebend. Orua drückte sich auf die Knie und wischte sich das Blut aus dem Gesicht: „Also du kannst dich vergnügen, ja, und ich, ich nicht; obwohl sie“, er nickte in Richtung Rava, die auf den Knien kauerte, „frei ist und jung. Nimmst du jetzt zwei Frauen, oh großer Führer, ja?“

Orua stand auf und legte eine Hand auf den Griff seiner Axt. „Du warst lange genug Anführer; du bist schwach. Und die Ahnen stehen nicht mehr an unserer Seite; deswegen ist Ketu gestorben, deswegen haben uns die Siedler gefunden. Du nimmst die Kinder der Unmenschen auf, aber Ziegen sollen wir keine halten, um im Winter nicht zu verhungern. Wie könnten uns die Ahnen zur Seite stehen!“ Er zog die Axt aus seinem Gürtel. Arak schüttelte den Kopf; was sollten die Ahnen damit zu tun haben? Er sah klar, wie alles zu allem führt; wie er selbst immer hart gewesen war zu Orua; wie der Glauben an die Ahnen und die Regeln alles fest und rigide machten. Es ist alles so ein Unsinn, hörte er Ravas Stimme.

„Du musst das nicht machen, Orua“, sprach Arak und blickte ihm in die blauen Augen. „Ich werde vergeben und vergessen, was du heute getan hast.“ Orua spuckte auf den Boden und lachte auf. „Deine Zeit ist vorüber; meine Zeit ist da! Die Ahnen stehen an meiner Seite!“ Und er schrie auf und mit erhobener Axt rannte er auf Arak zu. Auch wenn Arak schwach und verletzt war; Orua sollte es besser wissen.

Arak wich Oruas Schlag aus und er taumelte von der Wucht des leeren Schlages. Statt mit der Axt schlug Arak Orua mit der Faust ins Gesicht, griff seine Faust und entwand ihm die Axt und schlug ihm noch einmal ins Gesicht. Orua brach auf die Knie, warf Arak einen hasserfüllten Blick zu und sprang ihm wieder entgegen. Zornig schlug Arak ihm in die Brust, packte ihn an der Kehle; ließ die Äxte fallen und schlug und schlug und schlug Orua. Wie konnte er es wagen, seine Schwester anzufassen; wie konnte er es wagen, sich ihm entgegenzustellen?

Er warf Orua zu Boden, nahm seine Axt vom Boden und stellte sich über den Verräter. Keuchend, mit angsterfüllten Augen kroch Orua von ihm fort. Arak hob die Axt und ließ sie wieder sinken. Sein Zorn verrauchte. Er hatte genug vom Töten. „Verschwinde, Verräter, und komme niemals wieder.“

Ungläubig starrte Orua ihn an und raffte sich auf die Knie und auf die Füße. Er stolperte zu seinem ängstlichen Jungen, riss ihn an der Schulter mit sich mit; warf Arak noch einen ungläubigen Blick zu und humpelte aus der Lichtung in den Wald; sein Kind protestierend, aber ohne Wahl. Arak taumelte schwach, mit zusammengezogener Kehle. Und wieder waren sie einer weniger.

Zärtlich strich Arak Alira eine Strähne aus dem schlafenden Gesicht. Er beherrschte sich, nicht über ihren Bauch zu streicheln, der sich zu wölben begonnen hatte. Marukan schlief neben ihr, an sie gekuschelt. Ein Lächeln wärmte Araks Körper. Die letzten Monde waren die glücklichste Zeit seines Lebens gewesen.

Sein Blick wanderte durch die offene Tür nach draußen, wo der Wind durch den späten Abend fegte. Sie hatten sich Zeit gelassen, in ihr Winterdorf zu kommen. Die bunten Blätter waren braun geworden und die Äste kahl und der Wind brachte immer kältere Luft. Der Schnee würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Aber ihr Dorf war heile gewesen, als sie angekommen waren, und die letzten Tage hatten sie die Hütten winterfest gemacht. Entschlossen blickte er in den dunklen Himmel. Er würde niemanden sterben lassen diesen Winter. Er hörte Alira neben sich ruhig atmen.

Eine Weile beobachtete er Rava, wie sie alleine am Rande des Dorfes saß unter dem kahlen Herzbaum. Er legte sich das Bärenfell um die Schultern und trat hinaus in die windige Kälte. In der Ferne heulten Wölfe. Er schritt zu seiner Schwester, fasste sie an der Schulter und ließ sich neben ihr auf dem harten Boden nieder.

Sie wendete ihm kurz die schattigen Augen zu und blickte wieder nach oben in die kahle Baumkrone. Was hatte sie? Sie schwiegen eine Weile, dann wendete sie sich ihm wieder zu. „Ich…eine dunkle Ahnung erfüllt mich.“ „Eine dunkle Ahnung? Es ist doch alles gut, wie es lange nicht war“, antwortete er etwas verärgert, mit zusammengezogenen Augenbrauen. Sie zuckte mit den Schultern und blickte wieder nach oben. „Schatten tanzen im Wind. Ich sehe sie immer tanzen, wenn Unheil droht.“ „Ich dachte, du glaubst nicht an solche Sachen.“ Ihre Augen lachten, kurz: „Das hat nichts mit Glauben zu tun.“ Der Wind riss an ihren Kleidern. „Weißt du, wir Menschen sind gefangen in unseren Köpfen. Als…als wären wir verloren in einem dunklen Wald irren wir umher. Aber statt den Weg aus dem Wald zu suchen, jagen wir Schatten und Echos hinterher zwischen den Stämmen und verirren uns immer weiter.“ Verständnislos runzelte Arak die Stirn; was für seltsame Dinge sie sprach immer seine seltsame Schwester. Ihre hellen Augen stachen in seine Seele, als würden sie bis in den letzten Winkeln sehen. „Ich meine, solange es ein Ich und Du gibt, ein Wir und Ihr, wird es immer Gewalt und gewaltigen Tod geben. Werden wir uns gegenseitig schlachten und hassen und bekriegen. Wer sind wir denn schon, wer bin ich und wer bist du?“ Der Wind trug ihre Worte zu den Sternen.

Nach einer Weile legte sie ihre weiche Hand auf seine Wange und sprach leise: „Ich hoffe, ich irre mich“, nicht sehr hoffnungsvoll. Sie umarmte ihn und ließ ihn wieder zurück mit ihren seltsamen Worten in der Dunkelheit. Wer sind wir? Wer bin ich? Er zog das Fell fröstelnd enger um die Schultern.

Ächzend ließ Arak das Bein los und streckte die müden Muskeln. „Was ein gewaltiges Tier. Die Ahnen sind uns wohlgesonnen“, meinte Eru, sich ebenfalls streckend, neben ihm. Arak blickte auf den toten Eber hinunter. Gewaltig war er wahrhaftig. Waren die Ahnen dem Tier dann nicht wohlgesonnen gewesen? Und hatten sie ihn nicht erlegt für das Winterwendenfest, um die Ahnen um einen milden und fischreichen Winter zu bitten? Wenn sie ihnen doch ohnehin schon wohlgesonnen waren? Er schüttelte den Kopf. Es ist alles so ein Unsinn.

Er hob die Augen zu den kahlen Kronen und den Wolken darüber, die immer noch einzelne Schneeflocken herabrieseln ließen. Er dachte an Alira und sein ungeborenes Kind. Sollten die Ahnen ihnen einen milden Winter schenken! Und Alira und das Kind beschützen. Und wenn sie es nicht taten, würde er es tun, komme was wolle.

Er blickte zu Eru, sie nickten sich zu und machten sich daran, den Eber in das Lager zu ziehen.

Arak schlug auf die Trommel und der Klang verwebte sich mit dem Trommeln der Anderen und dem Prasseln des Feuers. Dru rief dunkel in die dunkle Nacht. Der Neumond, der ohnehin wenig Licht geben würde, war hinter den Wolken unsichtbar. Der Schneefall war dichter geworden.

Dru begann, um das Feuer zu tanzen, berauscht von der starken Magie der Pilze, die sie in der Ahnenhöhle gepflückt hatten. Arak schlug auf die Trommel und ließ sich benommen in die Klänge ziehen. Dru tanzte und rief, die Anderen wankten und tanzten und schlugen die Trommeln. Das Feuer brannte hell und Dru tanzte schneller und Arak schlug auf die Trommel. Er fühlte seinen Körper wanken und sein Herz schlagen, schneller und schneller schlugen seine Hände. Drus Rufe hallten in die Nacht, sein gehörnter Schatten tanzte durch die Siedlung, als er über das Feuer sprang, das Geweih auf seinem Kopf sprießte aus ihm heraus. Und er sprang und tanzte und die Trommeln riefen und schneller und immer schneller und Dru blieb stehen, verwurzelt, völlig still, mit entrückten Augen. Araks Körper hörte auf, sich zu bewegen, und er sah, wie auch die Anderen still wurden.

Dru erhob die Stimme und laut hallte seine Stimme wie aus weiter Ferne durch die Dunkelheit: „Wir werden vergehen! Keine Waldmenschen werden die Wälder mehr bevölkern. Unsere Kinder werden in die Siedlungen gehen und größere Siedlungen werden sie bauen. In Heimen aus Stein werden unsere Herzen hart werden. Häuser höher als Berge werden wir bauen und die Sterne aus dem Nachthimmel pflücken. Unaussprechliches Leid werden wir uns gegenseitig zufügen. Und leiden und leiden werden wir und wenn wir uns nicht erinnern werden, werden die Knochen unserer Kinder durch totes Land wehen.“

Betäubt stand Arak, die Worte hallten in der Stille. Was war geschehen? So hatte er Dru noch nie gesehen. Die Hunde fingen an, hektisch an zu bellen. Ein seltsames Pfeifen ertönte, es wurde lauter und Dru schrie auf, einen Pfeil in seiner Kehle, röchelte und fiel auf die Knie. „Angreifer!“Arak wachte auf. Angreifer? Hatten die Siedler sie bis hierher verfolgt? Unmöglich! Einer der Hunde heulte schmerzend auf.

Er stürzte zu Alira und Marukan – ein Pfeil verfehlte ihn nur knapp – und zog sie in den Schutz hinter eine Hütte. Wie war das möglich! Sein Kopf drehte sich. Er riss seine Axt aus dem Gürtel und lugte hinter der Hütte hervor und sah, wie zwei Männer aus den Bäumen traten. Die Fischmenschen! Und der dort, war das nicht…Orua! Sein Blut loderte auf. War das der Dank dafür, dass er ihn verschont hatte? Mehr Männer kamen aus dem Wald, brüllend. Arak wollte gerade heraustreten, Tod in seiner Hand, als Rava mit Telamon wie aus dem Nichts neben ihn trat, einen Speer in der Hand. Woher hatte sie einen Speer?

Sie legte ihm die Hand auf die Brust und schüttelte den Kopf: „Es sind zu viele, zu viele. Wir können sie nicht bekämpfen. Fliehe! Fliehe, und rette Alira und dich, und rette meinen Sohn!“ Fliehen? Sollte er alle zum Sterben zurücklassen? Er war der Anführer! „Bist du verrückt geworden? Arak flieht nicht!“ Ravas Augen brannten: „Wenn du bleibst, werden sie dich und die Kinder töten und Alira vergewaltigen und zu Ihrer machen.“

Aliras ängstliche Augen trafen seine, Telamon wimmerte und Todesschreie klangen in der Nacht. Verzweiflung stieg ihm in die Kehle, und Zorn und Angst; Schauer fuhren durch seinen Körper. Er würde sie beschützen, komme was wolle.

Zögerlich nickte er Rava zu, auch wenn er das Gefühl hatte, er würde ohnmächtig werden. Rava blickte ihm tief dankbar in die Augen und ging in die Knie und sprach zu ihrem Sohn in ihrer fremden Sprache, der protestierend zu schluchzen anfing. Sie strich ihm zärtlich über den Kopf und erhob sich, Tränen in den Augen. Sie umfasste Aliras Arme, sprach auch zu ihr, dringlich, und wendete sich Arak zu. „Fliehe, und lebe!“ Ihre Stimme war brüchig. „Und lass Telamon überleben…“ Sie umarmte ihn, fest und zärtlich, stieß ihn von sich und nahm ihren Speer in beide Hände, die feuchten Augen entschlossen.

Widerwillig, zitternd, beugte sich Arak und nahm Telamon auf seine Arme, der zu schreien anfing und die Arme zu Rava hinstreckte. Alira nahm Marukan auf ihre Arme und sie rannten los in den Wald, gerade als einer der Angreifer hinter der Hütte erschien. Mit einem gewaltigen Schrei stieß Rava ihm ihren Speer in die Brust. „Lauft! Lauft!“

Und sie liefen und stolperten durch die Dunkelheit, Arak voran, sein Gesicht taub und nass von Tränen. Schreie zerrissen die Nacht hinter ihnen und sie rannten und rannten. Wenn Alira stolperte, half ihr Arak auf und sie rannten weiter. Arak der Krieger rannte vor seinen Feinden und ließ die Seinen dem Tod zurück. Er schluchzte und weinte und rannte.

Stolpernd blieb Arak stehen und wankte. Mit verkrampften Armen stellte er Telamon auf die Erde, der aufgehört hatte zu weinen und ganz still geworden war. Alira neben ihm brach keuchend auf die Knie, das Gesicht verschmutzt, von Ästen zerkratzt und müde, so müde. Marukan umarmte sie leise weinend. Mit stumpfen Augen blickte Arak über seine Schulter in das Schneetreiben zurück. Er wusste nicht mehr, wie lange schon die Schreie verstummt waren. Sollte nicht der Tag bald kommen? Dunkle Wolken vor dunklem Himmel versteckten jede Spur davon.

Er sank auf die Knie und schluchzte. Tot. Sie waren alle tot. Rava, und Eru, Rok und Gira und Dru und alle anderen. Die Fischmenschen nahmen keine Gefangenen. Verzweifelt machtlos schlug er auf die Erde, wieder und wieder und wieder. Schützten die Ahnen sie so? Orua… Er schlug auf die Erde und seine Fäuste bluteten und er schlug weiter.

Alira zarte Hände legten sich auf seine und alle Kraft und aller Zorn verließen ihn und alle Spannung verließ seinen Körper. Sie strich ihm die Haare aus dem Gesicht und küsste ihn auf die Stirn. Leise rannen seine Tränen und verebbten. Alira und sein Kind waren am Leben, und Telamon und Marukan. Er nahm einen tiefen Atemzug. Er hatte seiner Schwester ein Versprechen gegeben. Er richtete sich auf und wischte Alira den Schmutz von den Wangen.

Wohin sollten sie ziehen? Was konnten sie alleine tun? Niemand würde ihnen durch den Schnee folgen, und jagen konnte er, aber wie lange konnten sie zu viert, mit zwei kleinen Kindern, überleben? Alira räusperte sich und blickte ihm zögerlich in die Augen. „Vater“, sie deutete auf sich, „Siedlung“, und deutete in die Ferne. „Glücklich, Vater“, und nickte und blickte ihn fragend an. Müde brauchte er eine Weile, um zu verstehen. In die Siedlung ihres Vaters? Arak lachte trocken auf. Arak der Krieger sollte in eine Siedlung ziehen und den Wald verlassen? Er blickte über seine Schulter, blickte zu den beiden Jungen und in Aliras geliebtes Gesicht. Hatte er denn eine Wahl, wirklich?

Arak verbeugte sich vor dem alten Mann. Er hatte zwar nicht verstanden, was er und Alira und die anderen alten Männer und Frauen gesprochen hatten, aber er hatte verstanden, dass sie bleiben konnten. Oder eher, dass er bleiben durfte. Wie seltsam, dass die Alten hier die Anführer waren. Jeder der jungen Männer, die er gesehen hatte, hätte sie ohne Probleme im Zweikampf besiegen können. Ein neues Leben mit neuen Regeln.

Der Alte sprach etwas in seiner fremden Sprache, legte ihm kurz die Hand auf die Schulter und wendete sich ab. Aliras Vater schien ein guter Mann zu sein. Die Siedler, die sich versammelt hatten, wandten sich ebenfalls nach und nach ab, die meisten nicht ohne ihm noch einen misstrauischen Blick zuzuwerfen. Alira lachte ihm glücklich zu und griff seine Hand.

Arak ließ seinen Blick zwischen den Häusern über den Graben in den Wald gleiten und Drus Worte hallten ihm im Kopf. In Heimen aus Stein werden unsere Herzen hart werden. Trauer stieg ihm auf, und Zorn. Drus Gesicht erschien ihm, und die anderen; Ravas traurige Augen. Er hatte daran gedacht, Rache zu nehmen und die Fischmenschen und Orua jagen zu gehen. Aber die Vergangenheit war mit dem Wind davongezogen schon. Er hatte Jahre auf der Rache verbracht, sinnlos. Er würde den Kreis nur weiterführen. Arak der Krieger war jetzt Siedler. Er ließ den Zorn ziehen.

Er beugte sich zu Telamon hinunter, der ihm nicht mehr von der Seite wich, strich ihm über den Kopf, nahm ihn auf seine Arme und folgte Alira zu ihrem neuen Haus. Er wendete noch einmal den Blick über die Schultern dem Walde zu und sein Herz schmerzte, als hätte er einen Teil davon dort zurückgelassen, und folgte Alira über die Schwelle.